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So beugen Frauen Knieverletzungen vor

Frauenknie sind empfindlicher als Männerknie. Das vordere Kreuzband reißt schneller, Arthrose und Brüche kommen häufiger vor. Wie Sie Verletzungen vermeiden können
von Silke Droll, 14.06.2017

Über Stock und Stein: Im Lauf des Lebens werden die Kniegelenke oft gefordert

istock / Yuri Arcurs

Beim Knie gibt es keine Gleich­berechtigung, Frauen haben dort mehr Schwachstellen als Männer. In jungen Jahren kann der schmalere Gelenkaufbau Probleme machen, später verschleißen Knorpel und Knochen schneller. "Frauen sollten deswegen intensiv vorbeugen", rät Dr. Johannes Flechtenmacher, der Präsident des Berufsverbands für Orthopädie und Unfallchirurgie.

Kicken geht aufs Kreuzband

Wie empfindlich das Frauen- im Vergleich zum Männerknie ist, zeigt etwa eine US-Untersuchung mit Teenagern. Die Wissenschaftler stellten fest, dass sich Mädchen bei Ballsportarten das vordere Kreuzband zwei- bis dreimal häufiger verletzen als Jungen.


Der Grund: In ihren Knien ist einfach weniger Platz dafür. Orthopäden sprechen von einer schmaleren "Notch". So nennen sie den Bereich zwischen den beiden Gelenkknorren des Oberschenkelknochens, in dem das vordere Kreuzband ansetzt. "Das vordere Kreuzband kommt daher eher mit den Knochen in Kontakt und kann schneller reißen", erklärt Professorin An­drea Meurer, stellvertretende Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Ortho­pädie und Unfallchirurgie (DGOU).

Vor allem Sportarten wie Handball und Fußball, bei denen schnelles Anlaufen und abruptes Stoppen notwendig sind, sowie Skifahren bedeuten daher ein erhöhtes Risiko.


knie background Kniescheibe Innenband Notch Meniskus Kniescheibenband Außenband Schienbein vorderes Kreuzband vorderes Kreuzband hinteres Kreuzband Gelenkknorpel Oberschenkelknochen

Gelenkknorpel und Knochendichte bauen sich bei Frauen schneller ab. Deshalb leiden sie häufiger an Arthrose und Osteoporose.

Die Notch bezeichnet den Bereich zwischen den Fortsätzen des Oberschenkelknochens. Sie ist bei Frauen schmaler, weshalb die Kreuzbänder weniger Platz haben und leichter mit dem Knochen in Kontakt kommen und Schaden erleiden.

Das vordere Kreuzband ist bei Frauen empfindlicher. Mädchen verletzen sich bei Ballspielen zwei- bis dreimal so häufig am vorderen Kreuzband wie Jungen.

Meniskusschäden treten bei Männern und Frauen häufig auf, gerade in der zweiten Lebenshälfte. Als Risikofaktor gelten unter anderem Beinfehlstellungen wie X-Beine.

W&B / Michelle Günther

Interaktive Grafik zum Kniegelenk: Auf die roten Begriffe deuten, um Texte darüber anzuzeigen

Tendenz zu X-Beinen

Und die typisch weibliche Anatomie des Knies kann weitere gesundheitliche Probleme nach sich ziehen. Etwa leichte X-Beine, also nach innen abweichende Kniegelenke. "Diese Achsabweichung und das dadurch entstehende muskuläre Ungleichgewicht begünstigen den Gelenkverschleiß und das Risiko für Sportverletzungen", sagt Katrin Hilpert, Leiterin der medizinischen Therapie der Orthopädie, physikalischen Medizin und Rehabilitation am Uniklinikum Mün­­chen.

Sportlich aktiven Frauen empfiehlt sie ein stabilisierendes Beinachsentraining. Es reduziert die Belastung für die Knie bei Sprüngen, Sprints und Stopps.

Lieber auf dem Boden bleiben

Im Allgemeinen sind bei Frauen die Muskeln, Sehnen und Bänder dehnbarer als bei Männern. Der Grund: die weiblichen Hormone. "Wenn man beim Sport aus ­­­hohem Abstand springt und landet, wirken vermehrte Kräfte", erläutert Meurer. Gleichzeitig haben Frauen oft weniger starke Muskeln, die dem Kniegelenk zusätzliche Stabilität geben würden. "Ein Unfall ist damit wahrscheinlicher", so die Orthopädin.


Das Kniegelenk schützen: Sieben Tipps

Doch Frauen hopsen nicht nur mit ihren Kindern auf den derzeit so beliebten Trampolins. Zunehmend mehr Frauen treiben regelmäßig Sport. Und das scheint sich in den Verletzungsstatistiken niederzuschlagen, etwa in einer aktuellen Untersuchung des Berufsverbands für Orthopädie und Unfallchirurgie in Zusammenarbeit mit der AOK Baden-Württemberg. Im Zeitraum 2008 bis 2013 stieg dort die Zahl der Bandverletzungen am Knie bei den Frauen um knapp 20 Prozent – und damit doppelt so stark wie bei den Männern, die aber trotzdem die Statistik anführen.


Dr. Johannes Flechtenmacher

W&B/Bernhard Kahrmann

Knochen brechen ab 50 viel leichter

Die Analyse der Daten von 3,8 Millionen Versicherten macht noch einen weiteren Unterschied deutlich: Knochenbrüche im Kniebereich kommen zwar bei Männern und Frauen etwa gleich häufig vor, doch das Risiko nimmt bei Frauen ab dem 50. Lebensjahr stark zu – um das Siebenfache. "Das liegt vor allem an ihrer niedrigeren Knochen­dichte", erklärt Experte Flechtenmacher. "Wegen des Östrogenmangels nach der Menopause sind Frauen hier im Nachteil. Sie bekommen eher Osteoporose." Die Folge: Bei Stürzen brechen die Knochen leichter.

Außerdem wird der Knorpel im Knie bei ihnen schneller abgebaut als bei den Männern. Laut einer Studie amerikanischer Wissenschaftler viermal so schnell. Angaben des Robert-Koch-Instituts untermauern das Forschungsergebnis aus den USA. In Deutschland sind gut die Hälfte der Frauen über 65 von Verschleißerscheinungen im Knie betroffen. Bei den Männern im selben Alter ist es lediglich rund ein Drittel.

Mehr künstliche Kniegelenke für Frauen

Deshalb brauchen auch mehr Frauen als Männer künstliche Kniegelenke. Dem Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen zufolge sind knapp 63 Prozent der Operierten weiblich. Mit dem Ergebnis des Eingriffs sind Patientinnen aber oft unzufriedener als Patienten.

"Sie benötigen nach einer Knieprothesen-OP mehr Schmerzmittel, ihre Beweglichkeit und ihr Gehvermögen sind schlechter", sagt Orthopäde Dr. Manfred Neubert, Präsident des letzten Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie. Die Ursachen dafür sind weitgehend unklar.


Probleme mit Prothesen

Vor etwa zehn Jahren wurde eine spezielle Knie-Endoprothese für Frauen ein­­geführt. Dieses "Gender-Knee" sollte der Anatomie des Frauenknies Rechnung ­tragen – erzielte aber keine besseren Behandlungsergebnisse. Möglicherweise spielt auch das Arzt-Patienten-Verhältnis eine Rolle. "Eine kanadische Untersuchung zeigt, dass Ärzte Männern häufiger zu einer OP raten", sagt Neubert. Bei Frauen ist also möglicherweise der Verschleiß schon weiter fortgeschritten, wenn sie operiert werden.

Alles keine Gründe, weshalb sie nun die Männer um ihre stabilen Gelenke beneiden müssten. Aber alles gute Gründe, um besonders auf die Knie zu achten.




Bildnachweis: W&B / Michelle Günther, istock / Yuri Arcurs, W&B/Bernhard Kahrmann

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